Lebenshilfe goes Metal – inklusives Rockfestival

Freitag, 20. Februar 2026

Rock in wo? Rautheim? Noch nie gehört. Was ist das – und vor allem: Wo ist das bitte schön?

Ich bin seit Jahrzehnten in der Szene unterwegs, kenne viele Festivals – aber hiervon hatte ich tatsächlich noch nichts gehört. Also erstmal recherchiert:

Hinter der Idee „Rock in Rautheim“ steht die Lebenshilfe Braunschweig. Von der Stadt wusste ich zumindest, dass sie existiert – auch wenn mich mein Weg bisher noch nie dorthin geführt hatte. Das sollte sich bald ändern.

Die Idee zu Deutschlands größtem „Inklusion meets Rock“ entwickelte sich bereits im Jahr 2002, Ende 2018 entstand aus einem Konzert schließlich ein ganzes Festival. Mit Förderung durch die Aktion Mensch, Unterstützung regionaler Partner (by the way – eine gute Brauerei mit leckerem Bier) und unglaublich vielen ehrenamtlichen Helfern wurde schnell klar: Rock, Metal und Inklusion passen perfekt zusammen.

Inklusion von A bis Z

Bei Rock in Rautheim ist von A wie Aufbau bis Z wie Zapfen alles inklusiv organisiert: Die Merchandise-Artikel werden in der eigenen Werkstatt hergestellt, Plakate, Flyer und Eintrittskarten entstehen in der eigenen Druckerei. Verkauf von Speisen und Getränken – zu fairen Preisen und mit abwechslungsreichem Angebot (mmmhh, der Metal-Burger) – sowie Auf- und Abbau laufen Hand in Hand.

Das las sich überzeugend, und da viele unserer Bewohner rock- und metalaffin sind, war schnell klar: Da müssen wir hin.

Eine kurze Umfrage – und schwupp – stand eine Gruppe von zehn musikbegeisterten Menschen fest: sechs Bewohner und vier Betreuer. Unterkunft gesichert, Lebensmittel organisiert, Fahrzeuge bereitgestellt – und so machten wir uns am 9. Mai 2025 gemeinsam auf den Weg.

Ankommen und eintauchen

Nach rund zweieinhalb Stunden Autofahrt erreichten wir unser Appartementhaus und wurden von der Inhaberin herzlich begrüßt. Zimmeraufteilung, Auspacken – und schon ging es weiter zum Festivalgelände.

Kurze Wege, übersichtlich gestaltet, alles ebenerdig: rollstuhlgerechte Kabelbrücken, barrierefreie Toiletten und Pflegeräume. Wir sicherten uns einen Platz nahe der Rollitribüne, sodass unsere Bewohner einen festen Anlaufpunkt hatten. Schon bald erkundeten sie eigenständig das Gelände – und stürmten die Rollitribüne zum Tanzen.

Zwei Tage Rock, Gemeinschaft und Lebensfreude

Tja, und dann ging es los: Zwei volle Tage wurde gerockt, getanzt, geheadbangt, gegessen, Bier getrunken, Fingernägel schwarz lackiert, Luftgitarre gespielt, beim Merch zugelangt, mit Bands gesprochen – und einfach das Leben genossen.

Von der großen Rollitribüne aus hatten unsere Bewohner einen hervorragenden Blick auf die Hauptbühne, unterstützt durch zwei große Leinwände. Lebenshilfepersonal, gut erkennbar an roten Shirts, war überall präsent, jederzeit ansprechbar – und feierte mit.

Ich habe selten ein Festival erlebt, das so fantastisch organisiert war. Hier können sich große Veranstaltungen durchaus eine Scheibe abschneiden. Viele Bands, bekannt vom W.O.A. und anderen renommierten Events, sind vertreten, Szenezeitschriften wie Metal Hammer berichten vor Ort. Inzwischen ist das Festival ein echter Geheimtipp – und jedes Jahr ausverkauft.

Wiederkommen garantiert

Bewohner und Betreuer waren sich schon nach wenigen Stunden einig: Das bleibt keine einmalige Erfahrung – nächstes Jahr sind wir wieder dabei. Gesagt, getan: Tickets für 2026 wurden direkt gesichert. Einziger Wunsch: einen Tag früher anreisen, um die Fahrt noch bewusster zu genießen – mit „Klassenfahrts-Feeling“ im Appartementhaus, Frühstück im Freien, gemeinsam kochen und ein gemütliches Bierchen.

Diesem Wunsch kommen wir natürlich gerne nach.

Nach dem Festival ist vor dem Festival – und unsere Bewohner sind schon jetzt voller Vorfreude. Die Betreuer übrigens auch.

Rock in Rautheim – we’ll be back!

Christine Naujokat-Kraus

(PersonalPoolPlus Wohnen)