Wenn die Seele zersplittert
Lebenshilfe Gießen bot Veranstaltung zum Thema Trauma und Traumafolge-Störung an
Gießen – In Deutschland leben Schätzungen zufolge circa 85.000 Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstruktur (DIS). Früher nannte man diese chronische psychische Erkrankung multiple Persönlichkeitsstörung. Die DIS entsteht meist durch schwere Traumatisierungen in der Kindheit. Betroffene entwickeln dabei unterschiedliche Persönlichkeitsanteile, die teilweise eigenständig handeln und wahrnehmen können. Zu diesem Thema bot die Lebenshilfe Gießen kürzlich eine Veranstaltung in ihrem plusPunkt-Begegnungsladen in Gießen an. Die Veranstaltung richtete sich an Betroffene, Angehörige, Fachkräfte sowie alle Interessierten, die sich über Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten von Traumafolge-Störungen informieren wollten.
Die Veranstaltung war weitaus mehr als ein Info-Abend. Denn Christine „Franzi“ H. (Nachname wird auf eigenen Wunsch nicht ausgeschrieben), Mitarbeiterin der Lebenshilfe, berichtete offen über ihren persönlichen Weg im Umgang mit der Erkrankung. Heute kann sie mit Unterstützung eines breiten Netzwerks von Assistenten und Freunden ein gutes Leben mit viel Freiraum für eigene Entscheidungen führen. Der Weg dorthin war jedoch lang und schwer: Aufgrund des komplexen Krankheitsbildes wurde die DIS bei ihr – wie bei vielen Betroffenen – erst spät diagnostiziert.
Fachlich eingeordnet wurden ihre Erfahrungen von Dr. Christiane Ramke, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie ergänzte den persönlichen Bericht mit verständlichen Erläuterungen und berichtete aus ihrer praktischen Arbeit mit Menschen, die an Traumafolgestörungen leiden. „In der Behandlung von Trauma spielt Psychotherapie eine entscheidende Rolle, um das Verdrängte behutsam bewusster zu machen und schließlich zu bewältigen“, erklärte Dr. Ramke. Christine „Franzi“ H. sagte nach der Veranstaltung: „Toll, dass so viele Menschen gekommen sind! Ich freue mich, dass ich mit meinem Erfahrungsbericht zur Aufklärung über die DIS beitragen konnte.“
Kerstin Ahrens von der Lebenshilfe Gießen, die die Veranstaltung moderierte, sagte: „Mit Veranstaltungen wie dieser möchten wir zur Enttabuisierung psychischer Erkrankungen beitragen und einen geschützten Rahmen für den Austausch anbieten.“ Besonders dankbar sei sie dafür, dass Christine „Franzi“ H. und Dr. Ramke bereit gewesen seien, dieses komplexe Thema gemeinsam aus persönlicher und fachlicher Perspektive darzustellen.
Am 15. April findet um 19.30 Uhr im plusPunkt eine Folgeveranstaltung zum Thema Trauma und Körpertherapie statt. Dr. Christiane Ramke wird über Möglichkeiten der Körpertherapie bei der Behandlung von Traumata informieren. Weitere Informationen auf www.lebenshilfe-giessen.de.
