WG am Eck

Gießens erste inklusive Wohngemeinschaft

Was ist eine inklusive Wohngemeinschaft?

Unter einer inklusiven Wohngemeinschaft verstehen wir das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf in einer gemeinsamen Wohnung. Die I-WG ist keine sogenannte „Zweck-WG“, sondern stellt für die Bewohner*innen den Lebensmittelpunkt dar. Die Mitbewohner*innen ohne Unterstützungsbedarf bringen Interesse am inklusiven Leben mit und sind bereit, Verantwortung für ihre Mitbewohner*innen zu übernehmen. Als eines der wichtigsten Ziele hierbei erachten wir das Zusammenleben aller WG-Bewohner*innen auf Augenhöge. Bei gemeinsamen Entscheidungen, die die gesamte WG betreffen, haben somit alle Bewohner*innen das gleiche Stimmrecht – ungeachtet ihres Unterstützungsbedarfs. Für diese Entscheidungen ist es wichtig, regelmäßig WG-Treffen einzuberufen, an welchen alle Bewohner*innen teilnehmen. Die I-WG sollte allerdings auch kein Selbstzweck, sondern ein natürlicher Teil des eigenen Lebens sein. Hiermit ist gemeint, dass alle Mitbewohner*innen auch ein Leben außerhalb der WG haben. Wichtig ist, dass jede*r WG-Bewohner*in ein selbstbestimmtes Leben führen kann.
An der rechten Seite finden Sie externe Links zu weiteren Informationen inklusiver Wohngemeinschaften in Deutschland.

Die Gießener I-WG, Starttermin Juni 2018

Gießens erste I-WG besteht aus vier Frauen und sechs Männern im Alter von 22 bis 28 Jahren, fünf davon mit einer sogenannten geistigen Behinderung. Einer der jungen Männer ist zudem körperlich stark eingeschränkt und auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen.
Alle Mitbewohner*innen ohne Behinderung werden ihre Mitbewohner*innen mit Behinderung in vielen Dingen des Alltags unterstützen. Die Hilfestellungen, welche übernommen werden, umfassen vielfältige, alltägliche Situationen.
Zur weiteren Unterstützung der Wohngemeinschaft werden ein bis zwei pädagogische Fachkräfte eingesetzt, welche nicht dort wohnen. Die Fachkräfte haben zum einen die Aufgabe, das Miteinander der Wohngemeinschaft zu begleiten, Hilfe in der Verständigung anzubieten und nach Bedarf moderierend tätig zu werden. Des Weiteren leiten sie die Mitbewohner*innen ohne Behinderung bei der Übernahme von Unterstützungsleistungen für ihre Mitbewohner*innen an. Eine weitere Aufgabe der Fachkräfte ist die Deckung von Unterstützungsbedarfen, welche nicht von den Mitbewohner*innen übernommen werden.

Hilfestellungen durch die Mitbewohner*innen

Bei den Unterstützungsleistungen die durch die Mitbewohner*innen erbracht werden, handelt es sich im Wesentlichen um Bedarfe des täglichen Lebens. Diese reichen über Erinnerungen an das rechtzeitige Aufstehen, über Handreichungen wie das Anreichen eines Trinkbechers, das gemeinsame Einkaufen und Kochen, das Wäschewaschen bis hin zur Begleitung bei Freizeitaktivitäten. Die Unterstützung bei der Körperpflege ist hiervon im Wesentlichen ausgenommen und wird von einem externen Dienstleister erbracht. In Ausnahmefällen kann allerdings die Notwendigkeit bestehen, dass auch hierbei die Unterstützung seitens der Mitbewohner*innen notwendig wird. Wie die Unterstützungsleistungen im Einzelnen organisiert werden, beispielsweise durch einen „Dienstplan“, ist noch offen und kann mitgestaltet werden. Eine Festlegung diesbezüglich erfolgt durch die pädagogischen Fachkräfte in Absprache mit allen WG-Bewohner*innen.

Ein Dankeschön für die Unterstützung:
Neben den schönen Momenten, die im Zusammenleben entstehen und den wertvollen Erfahrungen im Kontakt mit lebenslustigen, interessanten, jungen Menschen, wird es auch ein finanzielles Dankeschön an die Mitbewohner*innen für ihre Unterstützungsleistungen geben. Die Idee ist, dass je nach Umfang der zu erbringenden Unterstützung die Kaltmiete für das Wohnen in der gemeinsamen Wohnung wegfällt. Die Umsetzbarkeit dieser Vorstellung wird zurzeit geprüft. Sollte die Prüfung negativ ausfallen, erfolgt die finanzielle Unterstützung der Mitbewohner*innen ohne Behinderung auf anderem Wege.

Informationen zur Wohnung der I-WG

Die Lebenshilfe Gießen hat in einem vierstöckigen Gebäude eine große Wohnung angemietet, welche sich über das gesamte erste Obergeschoss erstreckt und insgesamt ca. 350 m² umfasst. Zwei Bewohner*innenzimmer sind jeweils zu zwei kleinen Wohneinheiten mit eigenem, kleinen Flur/Kochbereich und Bad zusammengefasst. Insgesamt gibt es fünf dieser Wohneinheiten bzw. zehn Bewohnerzimmer, welche zwischen 17 und 19 m² groß sind. Immer zwei Zimmer verfügen über einen gemeinsamen Balkon. Zusätzlich gibt es einen großen, gemeinsamen Flur von dem die Wohneinheiten abgehen, einen großen Gemeinschaftsraum als Wohn- und Esszimmer mit Küche sowie eine sehr große Dachterrasse zur gemeinschaftlichen Nutzung. Der Standort ist zentral in Gießen, die Innenstadt ist in fünf bis zehn Minuten zu Fuß erreichbar, ähnlich sämtliche Fakultäten der Justus-Liebig-Universität. Auch Einkaufsmöglichkeiten sind in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Zurzeit befindet sich das Gebäude noch im Bau.